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08.01.2009 16:00

Unfallstatistik 2008: Traurige Normalität für RadfahrerInnen zurückgekehrt

Unfallbilanz der Jahre 2002-2006 wieder erreicht; sinnvolle Gegenmaßnahmen dringend erforderlich!


Foto: IGF

Nach den erfreulich niedrigen Unfallzahlen von 2007 unter Radfahrenden auf Österreichs Straßen ist nun wieder traurige Normalität eingekehrt. 62 RadfahrerInnen starben 2008 im Verkehr, das sind zwar fast 70% mehr als im Vorjahr, aber nur 10% über dem Jahresmittel der 5 Jahre 2002-2006, mit durchschnittlich 58 tödlich verunglückten RadlerInnen. Seit 1980 gibt es erfreulicherweise einen langfristigen Trend nach unten mit etwa 2 Todesfällen weniger pro Jahr – bewegten sich die damaligen Opferzahlen unter Radfahrenden doch bei knapp hundert Menschen pro Jahr. Den 62 tödlich verunglückten RadfahrerInnen steht heuer wieder eine erschreckend hohe Zahl von 616 KFZ-Toten gegenüber, was einmal mehr die allgemeine Gefährdung durch motorisierten Verkehr unterstreicht.

Fahrrad dennoch sicherer als Auto

RADLOBBY.AT stellt also fest: Radfahren als Alltagsverkehrsmittel wird über die Jahre gesehen sicherer, und ist pro Weg deutlich sicherer als Autofahren, wie auch Forschungen des VCÖ unterstreichen: „Das Risiko auf einer Radfahrt tödlich zu verunglücken ist viel geringer als auf einer Autofahrt. Von Fahrrädern geht auch eine geringere Unfallgefahr aus als von Autos.“

Dennoch muss weiterhin mit allen Mitteln daran gearbeitet werden, den positiven Trend zu mehr Radfahrten in Österreich durch umfassende Sicherheitsmaßnahmen zu unterstützen. Eine Analyse der Unfallstatistik 2008 zeigt: 30% der tödlich verunglückten RadfahrerInnen starben ohne Eigenverschulden. Unter den 43 Fällen, bei denen Eigenverschulden festgestellt wurde, dürfte sich eine hohe Anzahl in der Grauzone nicht feststellbarer Unfallabläufe befinden. RADLOBBY.AT erinnert diesbezüglich an die 3 tödlichen Unfälle von RadfahrerInnen durch LKW in Wien 2008, wo eindeutige Schuldzuweisungen weder an die RadfahrerInnen noch LKW-Lenker möglich waren, und sicherheitserhöhende Maßnahmen der Behörden an den betreffenden Unfallstellen noch ausständig sind.

Maßnahmen gegen Temposünder

Laut Innenministerium passierten knapp 60% der tödlichen Radunfälle im Ortsgebiet, 40% auf Freilandstraßen. Bezüglich letzterer fordert RADLOBBY.AT zielführende und sichernde Maßnahmen und unterstützt dabei ARBÖ und VCÖ mit ihren Forderungen nach Initiativen gegen Tempo- und Alkosünder im Straßenverkehr und Telefonieren am Steuer. Auch das Kuratorium für Verkehrssicherheit regte an, die Tempolimits auf Freilandstraßen generell mit 80 km/h, im Ortsgebiet auf 30 km/h bundeseinheitlich festzulegen. Darüber hinaus fordert RADLOBBY.AT flächendeckend geeignete Überlandradwege mit sicheren Kreuzungssituationen.

Besonders bedenklich ist die Tatsache, dass 50% der tödlich Verunfallten über 60 Jahre alt waren. RADLOBBY.AT sieht hier dringenden Bedarf, Maßnahmen für mehr Sicherheit älterer VerkehrsteilnehmerInnen zu ergreifen. Ben Hemmens, ARGUS Steiermark, meint dazu: „Es stellt sich die Frage, ob wir unsere immer zahlreicher werdenden SeniorInnen in Watte verpackt in ihre Häuser einsperren oder lieber unsere Verkehrskultur verbessern wollen?“

Mängel bei Radverkehrsanlagen

Eine Detailanlayse der Unfälle im Stadtgebiet ergibt eklatante Schwächen der Radverkehrsplanung: 12 getötete RadfahrerInnen verunglückten auf Radwegen, Radfahrstreifen bzw. Mehrzweckstreifen oder gekennzeichneten Radfahrüberfahrten im Kreuzungsbereich. Das bedeutet, dass sich 20% der Todesfälle auf Radfahr-Schutzanlagen ereigneten! Hier sind sowohl Exekutive als auch Legislative gefordert, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, die tatsächlich zur Sicherheit Radfahrender beitragen: RADLOBBY.AT fordert daher die Umsetzung von längst überfälligen, breit angelegten StVO-Änderungen für Radfahrende und FußgängerInnen. So sollen diskriminierende und unsichere Sondervorrangsregeln für RadfahrerInnen abgeschafft werden und stattdessen gegenseitige Vorsichts- und Rücksichtsnahmegebote wie in der Schweiz und Deutschland einfließen. Überfällig ist ebenfalls die Aufhebung des Radwegbenützungsgebots und die Schaffung von Radstraßen im Stadtgebiet.

Österreich ist auch im europäischen Vergleich gefordert: Bezüglich Todesfällen von Radfahrenden z.B. liegt die Schweiz mit 4 Todesfällen pro Mio. EinwohnerInnen und Jahr um etwa ein Drittel besser als Österreich mit 5,7! Die Radverkehrsanteile in der Schweiz, Deutschland oder Dänemark liegen ebenfalls weit über dem österreichischen Durchschnitt. Das kann mit einer Umsetzung der erwähnten Maßnahmen deutlich verbessert werden!

Analyse

Eine genauere statistische Analyse der Unfallbilanz 2008 finden Sie hier. Anhand der vorgestellten Statistiken ist allerdings eine fundierte Aussage über die wahren Ursachen der Unfälle nicht möglich. RADLOBBY.AT fordert daher die Zurverfügungstellung der detaillierten Unfalldaten zwecks Analyse und die Einbindung von RADLOBBY.AT bei der Ausarbeitung von geeigneten Maßnahmen.


Kategorie: Presseaussendung, RADLOBBY Österreich
Alter: 11 yrs

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