Sie sind hier:
23.11.2019 : 3:34 : +0100
05.03.2009 14:02 Von: Alec Hager

Ghost Bikes: Erneut 5 Mahnmale für Fahrrad-Unfallopfer in Wien errichtet - und sofort von der Stadt Wien entfernt!

Fahrrad-AktivistInnen errichteten am 28.2.2009 an 5 Unfallstellen Ghost Bikes. Damit erinnerten nun 8 dieser Mahn-Räder in Wien an Opfer des motorisierten Stadtverkehrs - für zwei Tage. Am 3.3. waren sie wieder verschwunden.


Protestbrief und Onlinepetition für Ghostbikes

Wenige Tage nach dem Ghost Bike Ride vom 28.2. hat die Stadtverwaltung schon ihre fehlende Sensibilität unter Beweis gestellt. Trotz (oder gerade wegen?) der Vorinformation an die Bezirksverwaltungen wurden am 3.3. fast alle Ghost Bikes entfernt! - sowohl 4 der 5 neu aufgestellten GBs (am Hernalser Gürtel, an der Erdbergerlände, an der Schweglerbrücke und am Wiedner Gürtel) und alle 3 GBs in der Leopoldsstadt, die dort an die tödliche Unfallserie vom Oktober 2008 erinnerten.

Einzig das Ghost Bike vom 28.2. für Heidi H. stand noch einen Tag länger in der Johnstraße. Dann wurde es von den AktivistInnen vor dem Zugriff der MA48 gerettet und sichergestellt. Ein Zufall, dass es auch das einzige war, das nicht bei einer Bezirksvorstehung angekündigt wurde? Wir sind enttäuscht, erschüttert und erzürnt ob dieses (erwartbaren) Beweises von Ignoranz gegenüber den berechtigten Anliegen unmotorisierter StadtbewohnerInnen, die ihre Gefährdung durch den allgegenwärtigen Autozentrismus und die dadurch dominierte Verkehrsplanung in Wien zum Ausdruck bringen wollten - und auch weiter werden. Unser Apell an die Stadtverwaltung wurde offensichtlich von allen Bezirksverwaltungen nicht nur ignoriert, sondern im Gegenteil als handlungsaufforderung zur Entfernung interpretiert:

Zeigt eure Entrüstung, schickt Protestmails und unterschreibt die Online-Petition unter dieser Adressen: http://ghostbikes.criticalmass.at   (Siehe auch Artikel auf >>derstandard.at)

21 getötete RadfahrerInnen in Wien in den Jahren 2000-2008

3 RadfahrerInnen verloren 2008 in Wien durch Kollisionen mit LKWs ihr Leben, im Zeitraum der letzten neun Jahre waren es 21 Unfälle in Wien, die mit tödlichen Folgen für Radfahrende geendet haben. (Zahlen: Bundesanstalt Statistik Österreich, MA46) Um diese tragischen tödlichen Unfälle sichtbar zu machen und generell eine erhöhte Wahrnehmung für RadfahrerInnen im Fließverkehr zu fordern, werden wie in vielen anderen Städten dieser Welt auch in Wien "Ghost Bikes" aufgestellt. Unter "Ghost Bike" versteht man ein weiß bemaltes Fahrrad, das mit einer Informationsplakette versehen an einem Ort aufgestellt wird, an dem einE RadfahrerIn durch einen Zusammenstoß ums Leben kam. Das erste Ghost Bike wurde 2003 in den USA errichtet. Seine Nachfolger sind nun schon in über 30 Städten weltweit zu sehen, in Österreich in Wien, Graz und Wiener Neustadt.

Ghost Bike für 26-jähriges Opfer

Fahrrad-AktivistInnen nahmen nun diesen Samstag den nahenden 10. Jahrestag des tödlichen Unfalls einer jungen Radfahrerin zum Anlass, um für dieses Opfer des motorisierten Stadtverkehrs ein Ghost Bike in der Johnstraße aufzustellen. Heidi H. war im Alter von 26 Jahren von einem Auto überrollt worden. Die zahlreichen TeilnehmerInnen schmückten das Rad mit Blumen, Botschaften und brennenden Kerzen.

Die Gruppe errichtete weitere 5 Ghost Bikes an diesem Tag, auch an Stellen, wo schon bei der ersten Aktion im März 2008 Mahn-Räder errichtet worden waren. Diese waren teils nach kürzester Zeit von der Stadtverwaltung wieder entfernt worden. Diesmal richtet sich also der Appell an die Magistratsabteilungen und Bezirksvorstehungen, die im Voraus von der Aktion unterrichtet worden waren: "Vielen RadfahrerInnen in Wien sind diese Ghostbikes ein starkes Anliegen. Sie sehen in diesen Rädern ein sehr wichtiges Mahnmal gegen die Gefährdung von RadfahrerInnen durch Autoverkehr. Berücksichtigen Sie bitte dieses Anliegen und die Trauer der Hinterbliebenen und akzeptieren Sie Ghost Bikes als öffentliche Mahnmale. Entfernen Sie sie nicht."

8 Ghost Bikes stehen nun in Wien

Damit stehen in Wien nun 8 Ghostbikes. 3 davon erinnern in der Leopoldstadt an den Unfallmonat Oktober 2008, als 3 Menschen von LKWs überrollt wurden. Diese Mahn-Räder werden regelmäßig besucht, geschmückt und betreut. Die nun neu errichteten Ghost Bikes stehen im 15. Bezirk (Johnstraße, Felberstraße), im 17.Bezirk (Hernalser Gürtel/Alser Straße), im 3. Bezirk (Erdbergsteg) und am Wiedner Gürtel, Höhe Schönburgstraße.

Die IG Fahrrad sieht in dieser Aktion unabhängiger AktivistInnen einen Hinweis auf dringenden Verbesserungsbedarf bei der innerstädtischen Verkehrsorganisation im Interesse unmotorisierter TeilnehmerInnen. Auch wenn Radfahren eine sichere Fortbewegungsart ist, muss auf jene Gefahr aufmerksam gemacht werden, die gerade in Ballungszentren von PKW und LKW ausgeht und oft die schwächsten VerkehrsteilnehmerInnen trifft: FussgängerInnen, Kinder, Radfahrende.


Kategorie: RADLOBBY IGF
Alter: 11 yrs

< Radfahren fördert Sicherheit und Gesundheit – OHNE Helmpflicht