Sie sind hier:
22.5.2019 : 21:04 : +0200
17.04.2011 12:12 Von: Mirko Javurek, Initiative FahrRad/ARGUS OÖ

Velo-city 2011 in Sevilla

An die 500 TeilnehmerInnen aus der ganzen Welt besuchten die vom europäischen Verband der Fahrradorganisationen (ECF) veranstaltete Velo-City Konferenz, die heuer in Sevilla stattfand. Der Wandel zu einer nachhaltigen Mobilität, wo Radfahren eine zentrale Rolle spielt, war eines der Grundthemen der Konferenz.


Ciclovia - monatliche gemeinsame Radfahrt durch Sevilla mit tausenden Teilnehmern

Österreich-Delegation

Lynn erklärt, wie sich beim Auto die Durchschnittsgeschwindigkeit von 12 km/h ergibt

Kopenhagen: Rad fahren, weil es einfach, schnell und komfortabel ist

Sevici-Leihradstation in Sevilla

ECF Präsident Nauen präsentiert die Charta von Sevilla

Spaniens Verkehrsminister sieht das Fahrrad als wichtiges Alltagsverkehrsmittel, und unterstreicht, dass ohne Reduktion des Autoverkehrs keine Chance für nachhaltige Mobilität besteht. Ein eigener Gesetzesentwurf für nachhaltige Mobilität ist in Arbeit. Der Autoverkehr verursacht enorme externe Kosten (z.B. durch Umweltverschmutzung), die nicht vom Verursacher, sondern von der Allgemeinheit getragen werden. Immer häufiger werden Kosten/Nutzen Rechnung von Radverkehrsförderung im Vergleich zu anderen Verkehrsprojekten angestellt: Radverkehrsprojekte schneiden dabei durchgehend mit Abstand am besten ab. Der Autoverkehr ist auch der einzige Bereich, wo bisher keine CO2-Reduktion erreicht wurde, sondern stetige Zunahmen hingenommen werden. Eine Erhöhung des Radverkehrsanteils in Spanien von derzeit 0,1 auf 1,1% würde insgesamt 150.000 Arbeitsplätze und durch Emissionsreduzierung eine Reduktion der externen Kosten um 5.000 Mio. Euro bringen!

AutofahrerInnen geben 25 % ihres Einkommens fürs Auto aus, nutzen es aber nur 5% ihrer Zeit. Wenn die gesamte Zeit, die für die Beschaffung und Erhaltung eines Autos notwendig ist (also auch die Arbeitszeit, um die Kosten zu verdienen), mit eingerechnet wird, ergibt sich eine durchschnittliche Geschwindigkeit von lediglich 12 km/h. In England zeichnet sich bereits ein Wandel ab: bei jungen Leuten ist die Anzahl der FührerscheinbesitzerInnen rückläufig, der „Peak Car“ wurde offenbar schon überschritten, die Auto-km in den letzten Jahren sind erstmals seit längerem rückläufig. Das Potenzial für eine Verlagerung ist groß, denn nur 25% der Autofahrer sind „Die hard Drivers“, die schwer aus dem Auto zu bekommen sind; 50% hingegen fahren nicht gerne Auto aus Gründen wie z.B. Stress und Umweltverschmutzung.

Befragungen von Radfahrenden in Kopenhagen zeigen, dass über 60% mit dem Rad fahren, weil es einfach, schnell und komfortabel ist, aber nur 1% aus Umweltschutzgründen. Eine gute Infrastruktur fürs Radfahren durch attraktive Radrouten ist daher die Basis für eine Förderung des Radverkehrs. Ein ebenso wichtiger Beitrag sind aber Imagekampagnen. Im Rahmen der Kampagne "Cycling England" wurden sechs „Cycling Demonstration Towns“ ausgewählt, wo jeweils 80% der Kosten für Infrastrukturverbesserung und 20% für Verhaltensänderung ausgegeben wurden. Trotz teilweiser nicht idealer Voraussetzungen (hügelig, viel Autoverkehr) und nicht vorhandener Radkultur konnte in allen sechs Städten anhand von Zählstellen eine merkbare Steigerung des Radverkehrs um 10% bis 60% erreicht werden.

Im Rahmen der Kampagne „Radlhauptstadt München“ wurde 2010 die Fotoaktion „München sucht den Radlstar“ gestartet, wo die Bevölkerung dazu aufgerufen wurde, sich mit ihrem Rad professionell in mobilen Studios fotografieren zu lassen. Eine Jury wählte aus den 1.000 Teilnehmenden 20 GewinnerInnen aus, die auf Postern und Plakaten in ganz München zu sehen waren. Mitunter der Erfolg der Kampagne war, dass das Ziel, den Radverkehrsanteil bis 2015 von 5% auf 15% zu steigern, jetzt schon erreicht wurde, sodass das Ziel auf 20% erhöht wurde. Weiter Erfolge sind, dass die Stadtregierung wiedergewählt wurde, und ähnliche Fotoaktionen bereits in anderen Städten gestartet wurden. Interessantes Detail der Kampagne „Smart Trips“ für nachhaltigere Mobilität in den USA: für Notfälle (z.B. Fahrradpanne) wird die Heimfahrt mit dem Taxi angeboten. Dieses „Fallnetz“ erleichtert es auch Ängstlicheren, umzusteigen.

Mütter und werdende Mütter können diejenigen sein, die das Mobilitätsverhalten der gesamten Familie positiv beeinflussen. Frauen sind Katalysatoren, sie geben direkt und indirekt die Radfahrkultur an ihre Kinder weiter. Jedes Kind muss eigentlich gemeinsam mit den Eltern trainiert werden, die Eltern sind Vorbilder und auch denen muss gezeigt werden, wie man sich als Radfahrer im Straßenverkehr verhält. Das kann auch dazu führen, dass die Eltern das Radfahren wiederentdecken!

Radleihsysteme stellen sich immer wieder als wichtiger Beitrag zur Förderung des Radverkehrs heraus. Gleichzeitig werden sie auch als Vorbereiter für Carsharing gesehen, da anhand von ihnen gelernt wird, Fahrzeuge zu teilen. Es bedarf jedoch nicht nur Geld, um Verbesserungen für den Radverkehr zu schaffen, sondern auch die Entschlossenheit, Straßenraum umzuwidmen: in Paris wurden allein 7.000 Autoparkplätze für die Stellplätze des Radleihsystems aufgelassen.

Zum Abschluss der Konferenz wurde die Charta von Sevilla unterzeichnet: die ECF hat im „International Transport Forum“ der EU-Verkehrsminister das Thema Radverkehr auf die Tagesordnung gebracht und wird beim nächsten Forum die Charta übergeben, in der gefordert wird, Radfahren zu bewerben und in den Radverkehr zu investieren.


Kategorie: RADLOBBY Österreich
Alter: 8 yrs

< Fahrrad Revolution in Sevilla