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08.04.2012 22:47 Von: Martin Rotter

Seit 1. April: Zehn neue Fahrradwaggons der ÖBB im Regionalverkehr


2011 nutzten über 200.000 Menschen die Fahrradtransport-Angebote der ÖBB. Aufgrund dieser hohen Nachfrage setzen die Bundesbahnen ab April zehn neu adaptierte Fahrradwaggons auf folgenden Regionalverbindungen Österreichs ein: entlang des Donau- und Mur-Radwegs sowie Richtung Neusiedlersee.

Durch das auffällige Außendesign mit Fahrradmotiven sind die Wagen am Bahnsteig für die Fahrgäste leicht erkennbar. Sie bieten in der einen Waggonhälfte Abstellraum für 24 Fahrrräder und im direkt angrenzenden Großraumabteil 36 Sitzplätze. Damit können die Fahrgäste in der Nähe ihrer Räder Platz nehmen.

Kein stufenloser Zugang

Das neue Außendesign täuscht leider nur kurz darüber hinweg, dass die ÖBB eine Neuanschaffung von Waggons gescheut und lieber altes Wagenmaterial ohne Niederflureinstiege “fahrradtauglich” umgebaut hat. Das heißt, dass die Fahrräder zum Ein- und Aussteigen über drei hohe Stufen gehoben werden müssen, und das noch dazu durch relativ schmale Türen. Das ist nicht immer leicht für Jung und Alt und wird noch für Ärger bei vielen Fahrrad-Bahnreisenden sorgen. Die ÖBB verweisen dagegen aufs freundliche und hilfsbereite Zugspersonal, das auch gerne beim Verladen der Räder mithilft. Wir sind gespannt…

Das Wageninnere und die Abstellanlagen erscheinen beim Test durch die Radlobby hingegen einigermaßen durchdacht und praktikabel. Erstmals wird im Innenraum die sogenannte Schrägpark-Aufstellung angeboten. So können die Fahrräder platzsparend abgestellt werden. Allerdings muss zum richtigen Abstellen das Rad vorne angehoben und die Lenkstange in eine Gabelaufhängung gesetzt werden, was durchaus beschwerlich sein kann und unter Umständen auch viel Aufmerksamkeit abverlangt, um diverse Kabel und Leitungszüge im Lenkerbereich des Fahrrades nicht in Mitleidenschaft zu ziehen. Das Rad kann bei Bedarf auch mittels Haltegurt gesichert und mit dem eigenem Schloss an einem der festen Seitenbügel abgesperrt werden.

Kein Platz für Fahrräder abseits der Norm

Die Abstelleinrichtungen bieten ausreichend Platz für “Norm”-Fahrräder, Kindersitze sind auch kein Problem, für alle anderen Konstruktionen wie Tandem, Fahrradanhänger, Liegerad, Lastenrad, Handbike, etc. ist in dieser Schrägparkordnung allerdings kein Platz vorgesehen. Zwei größere freie Flächen sind im Wageninneren zwar vorhanden, müssen als Notausstiegsbereiche allerdings frei bleiben. Andererseits hätte der Platz für Sonderkonstruktionen im Innenraum auch kaum Sinn, schließlich sind diese über die hohen Stufen und schmalen Türen kaum oder gar nicht in den Wagen zu hieven, und bleiben somit per Design “außen vor”.

Unser Gesamturteil:

Der ambitionierte und ganz gut gelungene Innenausbau mit kleinen Schwächen kann das große Manko der unpraktikablen Ein- und Ausstiege dieses Wagenmaterials nicht wettmachen. Es fragt sich ob eine Anschaffung bzw. Adaptierung von zehn Niederflurwaggons für die ÖBB wirklich so unleistbar ist. Dennoch verdient die Initiative Lob: Immerhin gibt es ernsthafte Bemühungen den Fahrradtransport im Zug auszubauen.

ÖBB Fahrradmitnahme

Die RegioBiking-Fahrradwagen werden auf folgenden Bahnverbindungen entlang touristisch wichtiger Radwege angeboten:

  • Wien Franz-Josefs-Bahnhof – Krems/Donau
  • Wien Südbahnhof (Ost) – Neusiedl – Pamhagen
  • Graz – Spielfeld
  • Spielfeld – Bad – Radkersburg
  • Amstetten – Linz – Wels – Passau

In Nahverkehrszügen ist die Mitnahme von Fahrrädern generell möglich, eine Reservierung ist hier im Gegensatz zu Fernverkehrszügen nicht erforderlich. Eine Tageskarte für die Fahrradmitnahme kostet € 5 mit Vorteilscard und für Kinder € 2,50. Darüber hinaus gibt es Wochen- und Monatskarten. Für Gruppen von 2 bis 5 Personen gibt es mit dem “Einfach-Raus-Radticket” eine Tagesnetzkarte mit Fahrradbeförderung für den ÖBB-Nahverkehr um € 35.


Kategorie: RADLOBBY Österreich, RADLOBBY NÖ, RADLOBBY IGF
Alter: 7 yrs

< Liebe ÖBB, es wird Zeit für die Radmitnahme im Railjet