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28.11.2013 13:02

Ja zu Rechts bei Rot nach internationalem Vorbild


Der mediale Vorschlag eines Verkehrswissenschafters, RadfahrerInnen und FußgängerInnen bei Ampeln bei Rot das Überqueren von Kreuzungen zu ermöglichen, hat mannigfachen aber gleichlautenden Widerhall gefunden, dem es leider an gedanklicher Offenheit fehlt. Er stieß sowohl beim Kuratorium für Verkehrsicherheit (KFV) als auch beim Grünen Verkehrssprecher in Wien, Rüdiger Maresch, auf Ablehnung. Dabei wird auf die fehlende Vorbildwirkung für Kinder und die Anzahl der Verkehrsunfälle verwiesen. Die Radlobby verweist hingegen auf international erfolgreiche und sichere Regelungen zum Rechtsabbiegen bei Rot. Belgien, Niederlande, Deutschland, Schweiz und Frankreich zeigen es vor: Abbiegeerlaubnis mittels Zusatztafel bei Rot macht Radverkehr flüssiger und ist kein Sicherheitsproblem.

Daher tritt die Radlobby Österreich auch für eine vergleichbare Gesetzgebung in der StVO ein. Abbiegen bei Rot fürs Rad mittels Zusatztafel erlauben!

Die Debatten im österreichischen Boulevard drehen sich meist um radelnde Ampelsünder, nun hat der Vorstoß von Ulrich Leth in der Presse diese um einen vernünftigen Ansatz bereichert: Dass Ampeln als Produkt der KFZ-Regelung für Fuss- und Radverkehr ihre Bedeutung verlieren, sobald kein KFZ in Sicht ist. Die Reaktionen waren durchwegs ablehnend, dabei geht der europäische Trend in die andere, rationale Richtung: Radfahrenden kann das unbegründete Warten an roten Ampeln erspart werden.

Zwei zentrale Gründe sprechen dafür:

  • Radverkehr soll attraktiver und damit flüssiger werden, um umweltfreundlichen Vedrkehr zu fördern.
  • Radfahrende sind flexibel und ungefährlich und verdienen daher auch flexible Regelungen.

Internationale Beispiele en masse

Umgesetzt sind diese Ausnahmeregelungen mit Zusatzschildern oder Lichtsignalen an den betreffenden Ampelkreuzungen in Frankreich, Holland, Deutschland und Belgien. Immer ist bei diesen Gestzen durch die gesetzlichen Bestimmungen für Rücksichtnahme und Wartepflicht gegenüber querenden FußgängerInnen gesorgt. In der Schweiz beginnt soeben eine Pilotphase in Basel. In den meisten Fällen ging der Verankerung in der Straßenverkehrsordnung zuerst eine Testphase voraus, in der sich „Rechts bei Rot“ für RadlerInnen bewährte. In Deutschland lief es anders, dort wurde eine DDR-Regelung aus 1964 übernommen. Bei der Wiedervereinigung stand diese Regelung auf dem Prüfstand, heute gibt es nach Schätzungen 5.000 der „Grünen Pfeile“ in ganz Deutschland.

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Die belgische Lösung per Zusatzschild ...

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... und dazu die Erklärungsbroschüren inkl. Bike Box.

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Die belgische Regelung inkludiert auch die Möglichkeit für Gerade-Rot bei T-Kreuzungen!

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In Deutschland wird u.a. dieses Zusatzschild verwendet für T-Kreuzungen.

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Auch ergänzende Ampeln könne für Klärung im Sinne flüssigen Radverkehrs dienen.

 

Die Radlobby meint: Es wird Zeit, auch den österreichischen Radfahrenden Wahlfreiheit mit Verantwortung zuzugestehen! Auch Österreich sollte von diesen europäischen Erkenntnissen profitieren und mit eigener Pilotphase die Verankerung in der StVO einleiten.

Zweifelhafte Reaktionen in Rot-Debatte

„Mit über 900 Verunglückten auf ampelgeregelten Schutzwegen pro Jahr sollten wir uns besser darüber Gedanken machen, wie wir die Schutzwege - auch die ungeregelten - sicherer machen können“, so meinte Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV), in einer Aussendung. Das ist nun aber entweder Themenverfehlung, denn da geht es u.a. um Verletzungen, die durch KFZ verursacht wurden, die selber eine Ampel ignorierten. Oder eben die Erkenntnis, dass die Ampelregelung nicht ausreicht, um die Gefahr KFZ zurückzudrängen. Verkehrsberuhigung und Tempo 30 aber schon.

Zudem verwies Tann auf die fehlende Vorbildwirkung: „Was sollen sich Kinder denken, die dann Erwachsene bei Rot queren sehen?" In diese unpädagogische Horn stieß dann nicht nur VP-Wien-Verkehrssprecher GR Roman Stiftner im FP-Sprech mit "Untiefen der schaurig-grünen Verkehrspolitik", sondern erstaunlicherweise auch der Verkehrssprecher der Grünen in Wien, GR Rüdiger Maresch: „Das Überqueren bei Rot sowohl für Fußgänger als auch für Radfahrer zu erlauben, steht für Wien nicht zur Debatte. Ich schließe mich der Meinung des Kuratoriums für Verkehrssicherheit an, dass die Maßnahme vor allem für Kinder eine falsche Vorbildwirkung hat.“ Erstaunlich insofern, als einerseits Kinder immer vom Vetrauensgrundsatz ausgeschlossen sind, also kein KFZ-Lenker sich - ob Rot oder Grün - darauf verlassen darf, dass Kinder nicht queren. Und andrerseits ist die Erziehung zum bewussten, sicheren, selbständigen Nutzen des öffentlichen Raums ein klares Erziehungsziel. Und darunter fällt auch der Lernschritt: Wenn ich groß genug bin und genau schau, darf ich selber gehen. Denn Kinder, die nur aufs Grün schauen statt aufs Verkehrsumfeld, leben gefährlicher, wie viele Unfälle zeigen. Die von KFZ verursacht werden. Daher: Rechts abbiegen bei Rot für RadfahrerInnen, das ja gesetzlich einem Vorrang geben gleich kommt und damit FussgängerInnen nicht gefährdet, ist möglich.

Nordamerikanische Vergleiche

In den USA und Kanada, wo flächendeckend Rechts-bei-Rot für KFZ & Rad gilt, werden ähnliche Debatten geführt, wie zb hier in Portland, dem Cycle Capital der USA. Auch das zeigt: keine Gefährdung!

Won’t this send the wrong message? To children?
No, this will send the message that a perfectly safe and rational action is legal. The overwhelming majority of bicyclists already roll through stop signs and do so completely safely. If a law is on the books and it doesn’t make sense, it sends the message that lawbreaking is acceptable behavior. That is the wrong message to send to children especially.

Are there more bicycle crashes in Idaho?
No, their rates are comparable to all other states.

PS: Dass das "Idaho Red" für KFZ auf Europa nicht umlegbar ist, ergibt sich durch die völlig unterschiedlichen Verkehrszahlen und -kulturen. Denn FussgängerInnen sind in den USA meist nur in vernachlässigbaren Zahlen unterwegs, eine traurige Folge der Car-Orientation. Dadurch kann diese KFZ-Regelung ohne Friktionen funktionieren. Ausgenommen Ballungszentren mit Fuss- und Radverkehr, siehe zB Manhattan.


Kategorie: RADLOBBY Österreich
Alter: 6 yrs

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