Sie sind hier:
22.3.2019 : 3:43 : +0100
12.11.2014 08:51

ÖBB behält Tarif-Benachteiligung von RadlerInnen bei. Radlobby startet Petition.

Radlobby Österreich fordert Rücknahme der Preisungerechtigkeit, Rechtssicherheit für Faltradmitnahme und Abstellanlagenoffensive an Bahnhöfen. Railjet-Umstellung bringt weitere Radhürden.


Die Tarifgestaltung bei Radmitnahme in ÖBB-Zügen benachteiligt seit 2014 eine Million Vorteilscard- und Österreichcard-BesitzerInnen, da die Halbpreisermäßigung für diese bei Radmitnahme nicht mehr gilt. Daraus ergeben sich Preissteigerungen auf mehr als das Doppelte im Fernverkehr. Die Radlobby Österreich hat in mehreren Gesprächen versucht, die ÖBB-Führungvon der Rücknahme der ungerechtfertigten Verteuerung für StammkundInnen zu überzeugen. Nun verkündete die ÖBB dennoch, dass diese ungerechte und umweltunfreundliche Preisgestaltung auch 2015 bleibt! Die Radlobby drängt daher auch die Politik zum Eingreifen, um die Benachteiligungen aufzuheben, die auch den Vorschlägen des "Masterplan Radfahrens" des Umweltministeriums widersprechen. Dazu haben wir auf radpublik.at eine Petition gestartet: "Vorfahrt für Rad & Bahn" fordert Rücknahme der Preisungerechtigkeit, Rechtssicherheit für Faltradmitnahme und Abstellanlagenoffensive an Bahnhöfen: Opens external link in new windowLINK PETITION

oebb nachteilscard_FIN_web

Rund 300.000 Fahrgäste nutzen laut ÖBB jährlich die Möglichkeit, ihr Fahrrad im Zug mitzunehmen. Zum Nachteil dieser nicht zu vernachlässigenden Kundengruppe wurden die Rad-Tarife durch die ÖBB 2014 teilweise erhöht. Hauptkritikpunkt: Die Radmitnahme im Zug wurde durch die ÖBB-Tarifreform 2014 für Fahrgäste mit Vorteilscard empfindlich verteuert. So können sich für diese die Radmitnahmekosten im Vergleich zu 2013 mehr als verdoppeln!

Eine Änderung dieser Benachteiligung wurde trotz Bemühungen der Radlobby Österreich von der ÖBB-Führung abgelehnt. Die ÖBB-Tarife 2015 bringen also weiterhin für die Million Vorteilscard- und Österreichcard-BesitzerInnen keine Vorteile. Die Radlobby spricht daher von einer Nachteilscard: „Die Entscheidung der ÖBB, vor allem die Vorteilscard-Kunden bei der Radmitnahme zu belasten, wäre in anderen Bereichen oder am freien Markt undenkbar. Mit Stammkunden geht man so nicht um!“ bringen Beatrice Stude und Lukas Beurle, Bahnbeauftragte der Radlobby Österreich, die Empörung der Radkundschaft auf den Punkt.

Problemfelder: Nahverkehr, Fernverkehr, Faltradmitnahme

Grundsätzlich kostet die Fahrradmitnahme seit 2014 entfernungsabhängig 10 Prozent eines Vollpreis-Personentickets auf der Mitnahmestrecke. Die Mindestgebühr von 2€ bringt aber im Nahverkehr für einen Tagesausflug mit dem Fahrrad mit Hin- und Rückfahrt Mindestkosten von 4€. Das bedeutet gegenüber dem Vorteilscard-Tarif 2013 (Tageskarte 2,50€) eine Steigerung von 60 %. Bis zu einer Entfernung von 20 km ist das Radticket sogar teurer als das Vorteilscard-Personenticket. Erst ab 100 km Entfernung wird der vorgesehene Tarif von 10 % des Personentickets wirksam. Im Fernverkehr wurde durch die neue Reservierungsgebühr von 3€ (online) ein versteckter Mindestpreis von 5€ geschaffen. Die Radmitnahmen wurde dadurch z.B. von Wien nach Bregenz nun bis zu 106% teurer als 2013.

aktion_oebb_nachteilscard_WEB

Enttäuschte Radlobby-Mitglieder am Wiener Hauptbahnhof sehen sich ihrer Vorteilscard-Vorteile beraubt und drücken mit satirischen Mitteln aus: Handlungbedarf, ÖBB! (Fotodownload in Printauflösung HIER)

Bei der Mitnahme eines Faltrades war bis zur Tarifumstellung 2014 klar: Es konnte bei den ÖBB als Gepäckstück mitgenommen werden. Seit Jahreswechsel ist jedoch der betreffende Passus aus den Bestimmungen verschwunden, Rechtssicherheit für Faltrad-Mitnahme fehlt dadurch. Auch diese Benachteiligung von Radfahrenden wurde für die Tarifperiode 2015 nicht korrigiert.

Railjet-Umstellung verhindert Radmitnahme

Bei der Pressekonferenz wurden neue Radmitnahmehürden bekannt:

  • Komplette Umstellung auf Railjet-Garnituren auf der Südbahn mit Beginn 2015, wodurch in ÖBB-Zügen auf dieser Strecke Wien nach Villach direkt KEIN EINZIGES Rad mitgenommen werden kann (bis zu RJ-Umbau-Fertigstellung 2017; nach Graz nur in tschechischen Zügen.
  • Gleiche Probleme durch Komplettumstellung RJ auf der Strecke Salzburg <> Innsbruck
  • Ab Radmitnahme-Umbau des Railjet nur 5 Radplätze pro Zug, eine Bedrohung für den internationalen Radtourismusmarkt in Österreich
  • Weitere Preiserhöhung des "Einfach-Raus-Tickets" mit Radmitnahme auf 45€

Forderungen der Radlobby

„Zug und Rad wären sowohl im Freizeitverkehr für Tagesausflüge und Tourismus als auch für PendlerInnen die ideale, umweltfreundliche Verbindung. Gemäß Masterplan Radfahren des Lebensministeriums ist die Fahrradmitnahme durch die Schaffung attraktiver Tarife zu fördern. Die ÖBB ist daher aufgefordert, die bestmöglichen Bedingungen für ihre zunehmende Radkundschaft zu schaffen. Konkret bedeutet das: Wiedereinführung der Halbpreisermäßigung für Vorteilscard-KundInnen für die Radmitnahme; Wiedereinführung einer Radtageskarte; zeitgerechte Ausstattung des railjet mit Radstellplätzen; Reduktion des Mindesttarifes; Vereinfachung des Erwerbs des Radtickets am Automaten; Rechtssicherheit für Faltradmitnahme und ausreichend qualitätsvolle Radabstellmöglichkeiten an allen Bahnhöfen. Dann erst sind die Weichen wieder Richtung Zukunft gestellt.“ fasst Alec Hager, Sprecher Radlobby Österreich, die Anforderungen an die ÖBB zusammen.

Radlobby-Petition ÖBB „Vorfahrt für Rad & Bahn!“

Für Rücknahme der Preisungerechtigkeit, Rechtssicherheit für Faltradmitnahme und Abstellanlagenoffensive an Bahnhöfen auf www.radpublik.at unterzeichnen!

oebb_radmitnahmemaengel2014_DE_webklein

Darstellung der ÖBB-Servicemängel und Preisnachteile für Radfahrende 2014 aus dem Radlobby-Magazin DRAHTESEL 2/2014; Illustration Anna Hazod.


Kategorie: RADLOBBY Österreich
Alter: 4 yrs

< Info- und Diskussionsveranstaltung