Hauptplatz-Tiefgarage: Studie beweist sinnlose ÖVP-Idee

Fr. 11. Jul 2008

DINAMo kritisierte bereits den ÖVP-Vorschlag für eine Hauptplatz-Tiefgarage.  Nun beweist eine teure Machbarkeitsstudie, was ohnehin jeder wusste:
Die ÖVP-Hauptplatz-Tiefgarage ist nicht machbar.

Hier ist der Bericht über die Studie:

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Wiener Neustadt: Machbarkeitsstudie zur Tiefgarage am Hauptplatz fertig – Bürgermeister Müller: „Enormes Risiko für denkmalgeschützte Häuser!“

„Die vorliegende Studie beweist eindeutig, welch unabwägbare Folgen der Bau einer Tiefgarage unter dem Hauptplatz haben würde. Die genannten Risken einzugehen, wäre allen gegenüber unverantwortlich!“ Mit diesen Worten kommentiert Wiener Neustadts Bürgermeister Bernhard Müller die diese Woche vorgelegten Ergebnisse der Machbarkeitsstudie über den Bau einer Hauptplatz-Tiefgarage. Für das Stadtoberhaupt ist das Projekt unter diesen Voraussetzungen nicht durchführbar.

Zum Hintergrund
Der Plan, unter dem Wiener Neustädter Hauptplatz eine Tiefgarage zu bauen, ist nicht neu. Schon vor vielen Jahren hat der damalige Bürgermeister Gustav Kraupa über einen derartigen Schritt nachgedacht. Und ist gemeinsam mit Experten zu dem Schluss gekommen, dass dieses Projekt bautechnisch extrem anspruchsvoll und daher kaum finanzierbar wäre. Trotzdem wurde von verschiedenen Seiten immer wieder die Forderung nach einer Tiefgarage laut.

Aus diesem Grund hat der Gemeinderat am 21. Mai 2008 beschlossen, eine neue Machbarkeitsstudie zur Errichtung einer Tiefgarage auf dem Hauptplatz in Auftrag zu geben. Dies geschah seitens der IFP GmbH, einer 100%-igen Tochtergesellschaft der Stadt, die für die Parkraumbewirtschaftung zuständig ist.

Die Ergebnisse der Studie
Den Auftrag für die Studie erhielt das renommierte Sachverständigenbüro Dr. Richard Woschitz aus Eisenstadt, das die Untersuchungen unter Einbeziehung verschiedener Magistratsabteilungen sowie von Verkehrsexperten durchführte.
Laut Auftrag sollten folgende Inhalte abgeklärt werden:
·    Abklärung der Kapazitäten und Flächenmöglichkeiten
·    Datenerhebung der geologischen Untergrundverhältnissen
·    Gesonderte Betrachtung der „Mariensäule“
·    Kostenschätzung

Dr. Woschitz und sein Team sind nun zu folgenden Ergebnissen gekommen:
·    Die Bauzeit für das Projekt würde etwa 18 Monate betragen. In diesem Zeitraum wäre der Bereich vom „Grätzl“ ostwärts komplett gesperrt, was unter anderem den gesamten Markt und den Anrainer- sowie Zulieferverkehr betreffen würde.
·    Um Schäden vorzubeugen, müsste die gesamte Mariensäule abgetragen, an einem sicheren Ort gelagert und nach Fertigstellung der Tiefgarage wieder aufgebaut werden.
·    Der Aufbau des Bodens unter dem Hauptplatz beinhaltet so genannte „Schotterterrassen“. Dies erfordert zur Absicherung des Untergrunds während des Baus die Errichtung von „Schlitzwänden“, die jeweils unter den umliegenden Häusern im Erdreich verankert werden müssen. Dazu Dr. Woschitz in der Studie wörtlich: „Aufgrund der geologischen Situation und des hohen Grundwasserspiegels ist die Baugrubensicherung nur durch die Herstellung einer Schlitzwand machbar. Bei der Herstellung ist durch die schweren Baugeräte mit Erschütterungen zu rechnen und mit größter Wahrscheinlichkeit daraus resultierend mit Schäden an den umliegenden Gebäuden!“
·    Der hohe Grundwasserspiegel kann am besten durch eine großflächige Absenkung in den Griff bekommen werden. Dies hätte jedoch zur Folge, dass das gesamte Grundwassergefüge rund um den Hauptplatz in Mitleidenschaft gezogen wird. Unter den Häusern würden „trockenere“ Bereiche entstehen, die wiederum zu massiven Senkungen führen würden.
·    Gemeinsam mit einem Verkehrsexperten wurde auch eine Einschätzung zu den Auswirkungen durch die Zu- und Abfahrten der Tiefgarage durchgeführt. Hierbei kommt die Studie zu dem Schluss, dass im Bereich der Ungarkreuzung auf der Grazer Straße umfangreiche Umbauarbeiten zu leisten wären, deren Kosten zum jetzigen Zeitpunkt kaum abschätzbar sind.
·    Abschließend wird noch festgehalten, dass der Bau einer Tiefgarage das Gesamtbild des vor etwa 10 Jahren neu gestalteten Hauptplatzes komplett zerstören würde.

Kosten der Tiefgarage
Die Studie geht in ihren Planungen von zwei möglichen Varianten aus. Entweder einer eingeschossigen, die unter der gesamten Marktfläche sowie unter dem Platz vor dem Rathaus angesiedelt wäre, oder einer zweigeschossigen, die nur unter dem Marktplatz wäre. Wobei die zweite Variante mit der zweigeschossigen Ausführung die sinnvollere wäre. Auch, weil dadurch mehr Abstellplätze (305 statt 224) entstehen würden.

Den Kalkulationen von Dr. Woschitz zufolge würde die Errichtung einer derartigen Tiefgarage etwa 11 Millionen Euro kosten (inkl. Finanzierungskosten, exkl. Kosten für die Umgestaltung des Hauptplatzes). Zu diesen Kosten kämen jedoch noch die Arbeiten an der Mariensäule, der gesamte Komplex der Neugestaltung des Verkehrs im Bereich der Ungarkreuzung sowie allfällige Folgekosten durch die zu erwartenden Schäden an bestehenden Häusern. Prinzipiell ist zu sagen, dass eine Tiefgarage um rund 40 % teurer kommt als ein Parkhaus.

Schlussfolgerungen aus der Studie
„Die Ergebnisse dieser Studie haben mich in all meinen Erwartungen bestätigt“, so Bürgermeister Bernhard Müller. Das Stadtoberhaupt weiter: „Es gibt eine ganze Reihe von Punkten, die eindeutig gegen eine Tiefgarage unter dem Hauptplatz sprechen. Das sind zum Ersten die zu erwartenden Schäden an den teilweise denkmalgeschützten Häusern auf dem Hauptplatz. Dies hätte unabwägbare Folgen für unser Stadtzentrum.

Ein Risiko, das wir als verantwortungsvolle Politiker nicht eingehen können. Dazu kommt die mit 18 Monaten extrem lange Bauzeit, mit der wir unseren Markt und alle Hauptplatz-Geschäfte in größte Probleme bringen würden. Außerdem zeigt uns die Erfahrung ja, dass bei Bauprojekten dieser Größenordnung Verzögerungen jederzeit möglich sind. Drittens habe ich nicht damit gerechnet, dass wir auch im Bereich der Grazer Straße massive Neuerungen vornehmen müssen, um die Verkehrsregelung anzupassen. Hier können sogar die Experten die tatsächlichen Folgen noch nicht wirklich abschätzen. Und zuletzt sind da noch die Kosten, die sich ja durch gleichzeitige Einnahmenverluste in den beiden anderen Garagen sowie den Kurzparkzonen noch einmal erhöhen.“

„Abschließend möchte ich also festhalten, dass die Studie aus meiner Sicht ganz klar gegen den Bau einer Tiefgarage unter dem Hauptplatz spricht. Ich bin froh, dass wir die Expertise in Auftrag gegeben haben, um endlich Klarheit über dieses Thema zu haben. Die weiteren Schlüsse muss nun der Aufsichtsrat der IFP in seiner nächsten Sitzung ziehen“, so der Bürgermeister zum weiteren Umgang mit den Studien-Ergebnissen.

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