Tipps für’s Winter-Radeln

So. 26. Okt 2008

Winter-RadelnDamit man als Radler/in gegen die winterlichen Temperaturen gewappnet ist, sollte man einiges bachten, bevor man in die Pedale tritt.

Wenn man gerade keine atmungsaktive Funktionswäsche und eine Hightech-Jacke zur Hand hat, empfiehlt sich das Zwiebelprinzip: Statt einer dicken Schicht setzt man dabei auf mehrere dünne Schichten. Zwischen diesen Schichten befindet sich dann nämlich Luft, die sehr gut isoliert. Der Fahrtwind ist im Winter besonders tückisch, da die gefühlte Temperatur dann weit niedriger ist als die auf dem Thermometer. Beachten Sie, dass empfindliche Körperteile besonders geschützt sind. Eine Nieren- oder Blasenentzündung will man schließlich vermeiden. Für die Hände empfehlen sich Fäustlinge und für den Kopf ein Stirnband oder eine Haube. Detailliert Bekleidungstipps finden sie hier ganz unten.


Die Ausrüstung macht’s

Licht:
Die Sichtverhältnisse sind im Winter – insbesondere morgens – natürlich schlechter als im Sommer. Darum sollten Sie sich um eine ausreichende Beleuchtung Ihres Fahrrades kümmern. Bei Fahrten im Schnee kann es auch vorkommen, dass der Seitendynamo für die Lichtversorgung nicht mehr richtig funktioniert. Abhilfe schaffen hier aber nachrüstbare Speichendynamos.
Licht-Tipp 1: Ein Nabendynamo ist natürlich die beste Lösung. Er sollte die Standardauswahl beim Neukauf eines Fahrrades sein.
Licht-Tipp 2: Natürlich sind Batterieleuchten eine sehr gute Alternative zum Seitendynamo.

Reifen:
Bezüglich der Reifen sollten Winterradler wie beim Auto auf eine ausreichende Profiltiefe achten und auf keinen Fall abgefahrene Reifen verwenden. Weiters kann man auch auf Spikereifen setzen.

Pflege:
Reinigen Sie Ihr Fahrrad gerade im Winter öfters, damit Salz und Schmutzreste entfernt werden. Bei dieser Gelegenheit können Sie auch gleich die Kette sowie die Brems- und Schaltzüge schmieren.

Einstellungssache:
Eine gute Idee ist es, den Sattel etwas niedriger zu stellen – auf glatten Stellen kann man so mit den Beinen das Fahrrad stabilisieren. Im Winter ist die Fahrbahn oft nass und rutschig – Sie sollten deswegen auch vorsichtiger lenken und bremsen.

Rad regelmäßig pflegen:
Gerade im Winter sind gute Beleuchtung und perfekt funktionierende Bremsen wichtig.
Die Bremszüge regelmäßig einfetten damit sie leichtgängig bleiben. Beschichtete Bremszüge oder Hydraulikbremsen sind gegen Schmutz, Schnee oder gefrierendes Wasser unempfindlicher.

Weniger Reifendruck
Im Winter etwas Luft aus den Reifen lassen, das verbessert den Straßenkontakt.

Fahrradschloss mit Teflonspray behandeln, um ein Einfrieren zu vermeiden.

Helle Kleidung:
Gerade im Winter ist gute Sichtbarkeit wichtig. Wir empfehlen helle Kleidung, am besten mit reflektierenden Streifen.

Umsichtig und langsam fahren:
Bei nasser und glatter Fahrbahn verlängert sich der Bremsweg. Die Geschwindigkeit reduzieren, besonders in Kurven. Rechtzeitig und dabei auf den Autoverkehr achtend ausweichen.

Vorsichtiger bremsen:
Der Bremsweg ist durch die Witterungsbedingungen um vieles länger. Zusätzlich kann man durch den schlechten Bodenkontakt beim zu plötzlichen Bremsen leicht ins Schleudern und so in Sturzgefahr geraten. Daher ist vorausschauendes Fahren, frühzeitiges und vorsichtiges Bremsen sehr wichtig.

Keine ungeräumten Radwege benützen
Wenn der Radweg nicht von Schnee geräumt ist oder wenn dieser vereist ist, ist die Radwegbenützungspflicht aufgehoben. Radfahrer dürfen auf Straßen mit Radwegen die Fahrbahn benützen.

Wer diese Tipps berücksichtigt, dem steht Fahrvergnügen selbst bei Schnee, Matsch und Glätte nichts im Weg.

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Bekleidungstipps von www.pedalkraft.de
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Wintertipps

Die folgenden Tipps ergeben sich aus meinen eigenen Erfahrungen mit dem Radfahren im Winter und aus meinem “früheren Leben” in der Bekleidungsbranche. Die Tipps beziehen sich auf das tourenmäßige Radfahren mit Liegerädern, also mehrere Stunden bei Temperaturen um die 0 Grad, trocken. Bei kürzeren Touren und anderen Sportarten gilt natürlich prinzipiell das Gleiche.

Fahrstil
Radfahren ist gekennzeichnet durch extremen Wechsel zwischen sehr großer Anstrengung beim Bergauffahren und starker Auskühlung bergab. Dadurch ergibt sich ein großer Unterschied des Wärmebedarfs. Durch eine möglichst gleichmäßige Fahrweise sollte dieser Unterschied so gering wie möglich gehalten werden. Man sollte Bergauf viel langsamer als üblich fahren um Schwitzen zu vermindern. Lasst euch nicht durch den Tacho oder Mitfahrer ein höheres Tempo diktieren, der Schnitt wird immer viel niedriger sein als im Sommer.
Pausen

Man sollte mit möglichst wenig Pausen auskommen, da die Gefahr der Auskühlung sehr groß ist. Die Pause sollte auch nicht auf der Passhöhe kurz vor der Abfahrt sein, da ist die Unterkühlung vorprogrammiert. Beim Fahren in der Gruppe sollten alle versuchen möglichst gemeinsam zu fahren. Der Schnellste, der öfter warten muss, kühlt schnell aus. Besser ist es gleich langsamer zu fahren.

Bei großen Pausen mit Einkehr sollte die innerste Schicht der Bekleidung gleich bei Ankunft gewechselt werden. Beim Neustart in feuchten Klamotten ist die Auskühlung besonders stark und es dauert lange bis man wieder auf Betriebstemperatur kommt.

Grundprinzip der Bekleidung

Das Wichtigste ist das Einhalten eines konsequenten Lagenaufbaus bei der Wahl der Bekleidung.

1. Lage Feuchtigkeitstransport: Die erste Bekleidungsschicht ist extrem wichtig. Die einzige Aufgabe dieser Schicht ist das schnellstmögliche Ableiten von Feuchtigkeit und das Trockenhalten der Haut

2. Lage Isolationsschicht: Die Aufgabe dieser Schicht ist die Wärmeisolation und das Weiterleiten von Feuchtigkeit nach außen

3. Lage Windschutz: Die äusserste Schicht hält den Wind möglichst 100% ab, ohne den Feuchtigkeitstransport zu behindern.

Wichtig ist die Wahl jeweils für die Aufgabe optimierte Bekleidungsteile zu wählen. Kombinationen wie z.B. gefütterte Jacken, Unterhemden mit Windschutz, Fleecepullover mit Windstopperfutter, Windstopper-Socken funktionieren deutlich schlechter oder gar nicht.

1. Schicht Feuchtigkeitstransport

Für diese Schicht gibt es am Markt sehr viele Produkte, meist aus Polyester oder Polypropylen, die alle ähnlich gut funktionieren. An dieser Stelle kommen eigentlich nur Synthetiks in Frage. Diese Schicht darf keine Feuchtigkeit speichern, deswegen hier auf keinen Fall Baumwolle.

2. Schicht Isolation

Auch diese Schicht sollte die Feuchtigkeit nicht speichern sondern weiterleiten. Für diese Schicht ist Fleece in dünnerer Ausführung erste Wahl. Auch übliche Fahrradtrikots sind hier o.k. Wichtig ist hier das richtige Maß an Isolation zu wählen. Zu warm ist ähnlich schlecht wie zu dünn. Da sich die Bedingungen während einer Tour ändern können sind hier mehrere leichte Teile übereinander besser als 1 dickes Teil. Bei dieser Schicht kann man auch den unterschiedlichen Wärmebedarf der verschiedenen Körperzonen berücksichtigen. Nacken, Schulter, Schritt, Aussenseite der Oberschenkel und Knie sind kälteempfindlicher als andere Bereiche. Man kann z.B. 1 Langarm und 1 Kurzarm-Trikot kombinieren um Schulter und Nacken wärmer zu halten. Es gibt auch einzelne Segmente wie z.B. Kniewärmer oder Halskrausen. Wie viel Isolation nötig ist ist stark von der Person abhängig. Da hilft nur Ausprobieren und Erfahrungen sammeln.

3. Schicht Windschutz

Die äusserste Schicht muss möglichst 100% Windschutz bieten. Wasserdicht muss nicht sein, da wasserdichte Materialien erheblich weniger atmungsaktiv sind als “nur” winddichte. (Man muss allerdings zugeben, dass wasserdichte Membranjacken im Winter deutlich besser funktionieren als im Sommer. Für die Atmungsaktivität ist ein möglichst großer Temperaturunterschied nötig, im Sommer tut sich da fast nichts) . Die Windjacken können sehr dünn sein, für die Isolation ist die Schicht darunter zuständig.

Füße

Das Hauptproblem beim winterlichen Radfahren sind die Füße. Liegeradler haben es durch die hohe Tretlagerposition noch kälter als üblich. Die üblichen Winterschuhe für SPD System sind gegenüber Sommerschuhen besser aber alleine bei weitem nicht warm genug. Wichtig ist zunächst mal viel Platz im Schuh zu haben. Man wird sicher mindestens 1 Größe mehr brauchen. Auch im Schuh gilt der Lagenaufbau. Das wichtigste ist das Trockenhalten der Hautoberfläche des Fußes. Es gibt ein Vielzahl unterschiedlicher Funktionssocken in verschiedenen Dicken. Auch hier sind Synthetiks in Kombination mit Wolle (Wolle ist von den Eigenschaften ähnlich wie synthetische Funktionsmaterialien, da Wolle Feuchtigkeit im Innern speichern kann ohne sich aussen nass anzufühlen) richtig. Zusätzlich kann man noch dünne Unterziehsocken aus Polypropylen oder Polyester (Odlo oder Falke, leider schwer zu finden) darunterziehen, die die gleiche Wirkung wie Funktionsunterwäsche haben.

Der größte Nachteil aller Radschuhe ist der zu schmale Leisten. Wenn man den Schuh größer nimmt, wird er vor allem länger und nur wenig breiter. Für mich habe ich es so gelöst, dass ich mir von einem fitten Schumacher einen Winter-Wanderschuh für Systempedal-Befestigung umbauen lassen habe. Das ist teuer und man wird einen solchen Schumacher suchen müssen aber es ist, zusammen mit der Schuhheizung, die einzige 100%ige Lösung. Zu überlegen ist auch, auf Systempedale zu verzichten und mit Normalpedalen zu fahren. Liegeradler mit hohen Tretlagerpositionen haben da natürlich einProblem, dem nur mit improvisierten Haltelösungen oder den Power-Straps (Halteriemen aus textilem Material, die schräg über das Pedal laufen. Wenn der Fuß gerade gestellt wird verkeilt sich der Schuh, leider in Europa schwer erhältlich) abzuhelfen ist. Zusätzliche Überschuhe aus Neopren helfen ebenfalls etwas weiter. Eine Möglichkeit ist auch, die Unterseite des SPD Pedals mit PE-Schaum (Iso-Matte) zu verkleiden.

Hände

Handschuhe gibt es in den unterschiedlichsten Stärken im Handel. Wichtiger als extreme Isolation ist, dass sich kein Feuchtigkeitsstau bildet. Wenn die Hände mal feucht sind, kühlt man schnell aus. Auch hier ist “nur windicht” besser als wasserdicht. Es gibt , wie bei den Socken, Unterziehhandschuhe aus ganz dünnem Material, die die Hand trocken halten; sehr empfehlenswert. Fausthandschuhe halten erheblich wärmer als Fingerhandschuhe, ein guter Kompromiss sind die “3-Finger-Handschuhe”. Gut ist es auch ein Paar Ersatzhandschuhe zum Wechseln mitzunehmen.

Kopf

Nach Gewöhnung ist der Kopf ziemlich unempfindlich gegen Kälte. Lediglich die Ohren und evtl. die Stirn brauchen Schutz. Das geht gut mit einem Stirnband unter dem Helm. Meine Lieblingslösung sind die Hot-ears, die über die Helmriemen gezogen werden und die Ohren gut schützen ohne zu warm zu sein. Man sollte den Kopf auch nicht zu sehr einpacken, da der Kopf auch eine effektive Klimaanlage ist. Lediglich bei ganz extremen Minusgraden kommen die Gesichtsmasken in Frage. Diese behindern die Atmung ziemlich und die Brille beschlägt schnell.

Allgemeines

Jede Art von übertriebenem Ehrgeiz kann schädlich sein. Lieber eine Tour abkürzen oder ganz absagen, wenn man sich nicht gut fühlt. Vor allem wenn noch Regen dazukommt werden die Bedingungen nochmals verschärft.

Wichtig ist regelmäßiges Trinken auch wenn man keinen Durst hat. Getränke möglichst warm halten.

Rettungsdecke aus Goldfolie für Notfälle mitnehmen.

Eintrag gespeichert unter: Fahrrad-Infos


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